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2. Tag der Herbsttagung in Hamburg

Am 8.11.2016 waren wir bei der Fa. Henkel / Schwarzkopf eingeladen.

Frau Dr. Astrid Kleen-Fehres (Corporate Director R&D Hair Colors) und Herr Dr. Thomas Hippe (Senior Manager R&D Hair Colors) informierten uns über Neuigkeiten aus der Forschung und dem Marketing.

Im ersten Thema "Blondierung ohne Reue?- Neue Methoden zur Verringerung von Haarschädigungen durch oxidative Prozesse“ ging es um die Produktgruppe der „Plex“-Additive.

Die Ausführungen fassten zunächst die Forschungsergebnisse zu den natürlichen Pigmenten im Haar, die Wirkweise der oxidativen Aufhellung und die damit verbundenen Vorgänge, die zur Haarschädigung führen, zusammen.

Dabei gingen die Vortragenden auch auf die Besonderheiten des asiatischen Haares ein.

Hier einige Stichpunkte:
-     Asiaten färben fast immer, auch die Männer, sie färben zu Hause, verwenden Hairmascara mit anorganischen
      Pigmenten.
-     Grau ist bei Japanern kulturell nicht anerkannt.
-     kastanienbraune Japaner sind die Blondinen unter den Japanern.
-     Japan ist gesetzlich begrenzt auf 6% Wasserstoffperoxid, Haare sind rund und stabiler, Blondiermittel kann
      aufgrund der Konzentrationsobergrenze nicht viel schaffen, gerne wird mit dem Glätteisen nachgeholfen.
-     In Japan wird Igora Royal verkauft, allerdings mit anderen Farbstoffen als in anderen Ländern, auch mit
      Farbstoffen, die hier verboten sind. Schwarzkopf hat da eine eigene Entwicklungsabteilung.
-     Chinesen dürfen auch in Würde altern, Grau = Weisheit des Alters, vor allem die Frauen, die sich von der Masse
      absetzen wollen.
-     Pflege ist in Japan und China gleich aufgrund der runden Haarstruktur, andere Pflegemittel als in Europa, Asiaten
      überpflegen ihr Haar völlig, sehr satte Produkte, unsere Intensivkuren sind dort allenfalls Basisprodukte. Der
      Wunsch ist geschmeidiges, hängendes Haar.

Anschließend ging es um die verschiedenen Arten der Blondiermittel und die Einflüsse der einzelnen Wirkstoffe. So reagieren z. B. die Persulfate aus dem Blondierbrei unterschiedlich:  Die Reaktion mit  Ammoniumperoxodisulfat  springt sofort an und reagiert gleichmäßig, ist gut zu kontrollieren und hat eine geringe exotherme Reaktion.

Kalium- und Natriumperoxodisulfat reagieren anfangs träge, dann allerdings heftig.  Um Blondierschäden am Haar möglichst gering zu halten, gibt es heute die „Plex“-Additive.

Wir erfuhren etwas über die Unterschiede zwischen Olaplex und dem von Henkel / Schwarzkopf entwickelten Fibreplex. Die Wirkweisen sind noch nicht detailliert bekannt, es ist kein Schutz für die Disulfidbindungen,  sondern es werden zusätzliche, stabilisierende Bindungsstrukturen im Haar ausgebildet. Das führt zu einer signifikanten Verbesserung hinsichtlich der Verminderung von Haarbruch und zur Elastizitätssteigerung bei Verwendung dieser Additive.  So liegt z. B. 94% weniger Haarbruch bei einer Blondierung mit Fibreplex vor.

Ab nächstem Jahr soll es Blondiermittel mit Maleinsäure als Inhaltsstoff geben.  

„Neue Entwicklungen im Colorations-Segment“ hieß der nächste Themenkomplex in dem uns zwei Neuentwicklungen aus dem Hause Henkel/Schwarzkopf vorgestellt wurden.

Zum einen Liquid foil, eine aufzusprühende Folie aus Alginsäure und Kalziumchlorid ähnlich wie aus dem Bubble tea, die biologisch abbaubar ist und vom Wasserstoffperoxid nicht angegriffen wird. Der Friseur wird diese „Folie“ auf die mit Farbe oder Blondierung eingestrichene Strähne sprühen und so enorme Mengen an Alufolie einsparen. Die Folie ist durchsichtig und lässt sich nach der Einwirkzeit abspülen.

Die Kosten sind geringer als bei Alufolie, die Flüssigkeiten werden in Pulverform geliefert und vom Friseur selbst mit Wasser angemischt.

Eine weite Neuentwicklung, die im kommenden Frühjahr eingeführt werden soll, ist die Neuentwicklung eines Transfomers. Durch Zugabe des Transformers wird aus einer normalen oxidativen Haarfarbe und einer niedrigeren Wassserstoffperoxidkonzentration (4%) eine Intensivtönung. Durch den Transformer sinkt der pH-Wert des Farbbreis, außerdem sind zusätzliche Pflegestoffe enthalten. Die normale Haarfarbe (1 Teil) wird dann gemischt mit dem Transformer (0,5 Teile) und 4% Developer (1 Teil). Das Produkt wird ca. im April 2017 für Indola auf dem Markt angeboten.

Das Ziel: Friseure in mittlerer Größe, die sich kein ganzes Sortiment Demi-Farbe hinstellen können. Sie brauchen nur den Transformer anstatt eines ganzen Produktsortiments.

Am Ende dieses höchst informativen Vortrags waren wir uns alle einig: Viele unserer Kenntnisse zum Blondiervorgang wurden aufgefrischt, neue zum Thema „Plex-Produkte“ kamen dazu. Die Vortragenden haben uns mit großem Fachwissen bei gleichzeitig hohem Unterhaltungswert einen tollen Tag beschert.

Wir danken der Firma Henkel für die Einladung zu einem richtig guten Essen in die betriebseigene Kantine. Zudem freuen wir uns, dass wir unsere Weihnachtsgeschenke in Bezug auf Haarreinigungs- und Pflegeprodukte im Mitarbeitershop aufstocken durften.

Text: Peter Brünger

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